Schluss mit dem Negativen, sagt Charlotte Knobloch nach ihrem Vortrag am RGL und lacht so, dass auch alle anderen in der Mensa lachen müssen. Die langjährige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde verabschiedet sich nach ihrem Vortrag gut gelaunt und hoffnungsvoll von den Oberstufenschülern, die der 93-jährigen Münchnerin rund eineinhalb Stunden gelauscht hatten. Initiiert hatte das Treffen Altlandrat Georg Grabner, der neben Laufens dritter Bürgermeisterin Rosmarie Hainz einer der Zuhörer an diesem Vormittag war.
„Na, was liegt hinter euch?“, fragte Charlotte Knobloch, als sie mit ihrem Hund an der Leine die Mensa des Gymnasiums betrat. Die gespannten Schülerinnen und Schüler reagierten verunsichert. „Nichts?“ Knobloch lachte und berichtete von ihrer langen Anfahrt aus München, bevor sie sich in das Goldene Buch der Stadt Laufen eintrug.
Doch die Frage hätte man natürlich auch anders verstehen können. Zwischen ihr und den Schülerinnen und Schülern liegen mehr als 70 Lebensjahre. Jahre, in denen sie erleben musste, dass Nachbarskinder nicht mehr mit ihr spielen durften, wie ihre Großmutter von den Nationalsozialisten getötet wurde und wie sich auch das Nachkriegsdeutschland schwertat, seine Täter zu benennen. Jahrzehnte, in denen sie auf gepackten Koffern saß, um Deutschland verlassen zu können – aber doch immer blieb. „Unterstützt euer Land, das auch mein Land ist“, sagt Charlotte Knobloch zu den Jugendlichen
Mehrfach fordert sie dazu auf, Fragen zu stellen: „In diesen unruhigen Zeiten ist es wichtig, dass man im Gespräch bleibt“, sagt sie. „Angst und Verunsicherung“ bestimmten das Leben, viele Vorurteile gebe es hinsichtlich des Judentums, aber dieses habe nichts „Geheimnisvolles“. „Wir reden miteinander, damit das Unbekannte bekannt wird“, fordert Knobloch auf und sagt: „Wir wollen nichts Besonderes sein.“
Knobloch habe sich zur Aufgabe gemacht, jüdisches Leben in München wieder aufblühen zu lassen. Vor der Ermordung und Vertreibung durch das NS-Regime habe es 12 000 Jüdinnen und Juden gegeben, jetzt sei man bei 10 000 – „ein bisschen geht also noch“, sagt sie mit einem Schmunzeln.
Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hatten gespannt ihrer Vita gelauscht und stellten im Anschluss Fragen. Die Diskussion nahm der Ethikkurs mit Mikros auf, um später daraus einen Podcast zu gestalten. Die Schülerinnen und Schüler fragten, wie wichtig Knobloch ihr Glaube sei, wie sich der Antisemitismus verändert habe, wie sie mit Hass umgehe und wie sich nun alles durch den Krieg Israels verschärft habe.
Ob 2026 das neue 1933 sei, wollten die Jugendlichen wissen. „Nein, auf keinen Fall“, sagt sie, „vielleicht befinden wir uns eher in den 1920er-Jahren“. „Enkel und Urenkel tragen nicht die Schuld“, betont sie. Aber sie hätten die Verantwortung und den Respekt, die Demokratie aufrechtzuerhalten und dabei das Wissen der Geschichte zu nutzen. „Bleibt wach und wachsam“, mahnt sie. „Bewahrt euch ein Herz, das sich anrühren lässt“ und: „Lasst euch nicht verbieten, wen ihr zu lieben oder zu hassen habt.“ Sie warb dafür, Meinungen durchzusprechen.
Denn die Nationalsozialisten hatten schon lange, bevor sie an die Macht kamen, gesagt, was sie planen würden. „Hitler ist nicht vom Himmel gefallen“, sagte sie, mit der Hoffnung, dass die Jugendlichen sich mit ihrer Umgebung auseinandersetzen.
Ihre Schlussworte waren dann auch als Appell zu verstehen: Sie sei stolz auf die heutigen Jugendlichen, die sehr gut informiert seien. Sie habe großes Vertrauen in sie, weshalb
sie hoffnungsvoll in die Zukunft blicke.
Schulleiter Maurice Flatscher überreichte ihr zum Dank für ihr Kommen Blumen, eine gebastelte RGL-Eule, die für Knoblochs Weisheit stehe, und eine Ausgabe des Salzfasses zum jüdischen Leben in der Stadt Laufen. „Ich werde das ganz genau lesen“, sagt sie zu den Schülerinnen und Schülern – und winkt beim Hinausgehen.
Gekürzter Text aus Bericht SOB/Antonia Hauser vom 21.03.2026/AL













